Home
News
Dampfmaschinen
Events
Wilesco
Dampftechnik
Fachbegriffe DEU-ENG
Inbetriebnahme
Technik & Teile
Dampfaggregat
Kessel
Feuerung
Unfälle
Dampfmaschinen
Heißluftmaschinen
Antriebsmodelle
Blechspielzeug
Links
Gästebuch
Kontakt
Zu meiner Person

Inbetriebnahme

Beschrieben wird die Inbetriebnahme einer handelsüblichen Hobby-Dampfmaschine mit Brennstofftabletten. Behandelt werden verschiedene Arten von Kesseln, Sicherheitsventilen, Zylindern und Ölern

1. Bedienungsanleitung 

Lesen Sie zuerst die Betriebsanleitung des Herstellers durch und machen Sie sich damit vertraut. Sollte etwas unklar sein fragen Sie bei Ihrem Händler, oder beim Hersteller nach.

2. Vorbereitung 

 

Wählen Sie einen geeigneten Platz aus.

  • Der Platz sollte gut belüftet sein, besser noch ist es man kann ins Freie gehen. Brennstofftabletten sind als "gesundheitsschädlich" mit einem schwarzen Kreuz im orangenen Feld gekennzeichnet und das nicht zu Unrecht. 
  • Entfernen sie alles Brennbare im Umkreis von ca. 1m falls einmal eine Brennstofftablette platzt (extrem selten)
  • Stellen Sie die Maschine auf eine rutschfeste Unterlage, oder befestigen sie die Maschine. Gut eignet sich ein grobes, schwer entflammbares Tuch. Vibrationen können der Maschine, insbesondere wenn es sich um eine kleine, leichte Maschine handelt ein "Eigenleben" bescheren.
  • Legen Sie eine feuerfeste Unterlage in Reichweite, um die Brennerschale schnell entfernen und ablegen zu können. Das kann eine alte Fliese sein, ein Waschbecken in der Nähe, oder der Betonfußboden im Keller.

 

Stellen Sie unbedingt alle Dinge bereit, die sie brauchen. Späteres Herumsuchen verdirbt den Spaß und ist nicht ungefährlich, da sie die Maschine aus dem Auge lassen müssen. Sie benötigen

  • Wärmedämmende Handschuhe, denn viele Teile werden sehr heiß. Da wäre die Dampfpfeife, eventuell das Dampfventil und vor allem die Brennerschale. Bedenken Sie, dass Sie die Brennerschale in einem Notfall herausnehmen müssen, auch wenn das ganze in Flammen gehüllt ist.
  • Eine Schutzbrille für den Fall das beim Betrieb Teile davonfliegen, oder, schlimmer, ein Dampfleck entsteht. 100°C heißer Dampf im Auge ist kein Spaß.
  • Ein Feuerlöscher ist kein Schaden. Ein kleiner Autofeuerlöscher reicht aus. Im ersten Moment hört sich das übertrieben an. Wenn Sie aber einmal gesehen haben wie feucht gewordene Brennstofftabletten platzen und wie weit die brennenden Teilchen fliegen denken sie vielleicht anders.

Für die Inbetriebnahme und den eigentlichen Betrieb sind ebenfalls ein paar Dinge notwendig. 

  • Dampföl zum schmieren des Zylinders. Verwenden sie wirklich Dampföl, denn das verbindet sich mit dem heißen Dampf und dem Kondensat, schmiert den Zylinder im Betrieb und verharzt, oder verbennt nicht. Ansonsten können sehr schnell Schäden an der Maschine entstehen. Dampföl bekommt man vom Hersteller, oder dort wo man Dampfmaschinen kaufen kann. 
  • Nähmaschinen-, oder Fahrradöl zum schmieren von Lagern. Dampfmaschinenöl eignet sich dazu nicht wirklich, weil es zu dickflüssig ist. Für den Anfang kann man es auch mal zum schmieren der Lager verwenden. Nähmaschinen-, oder Fahrradöl gibt es an jeder Tankstelle.
  • Destilliertes Wasser zum Füllen des Kessels. Machen Sie hier ebenfalls keine Kompromisse. Leitungswasser enthält Kalk und andere Stoffe, die zu Ablagerungen führen, dem sogenannten Kesselstein. Langfristig führt das zu Schäden am Kessel, kurzfristig können Leitungen und Ventile verstopfen. Der Zylinder leidet erheblich unter kleinen Ablegerungsteilen, die aus dem Kessel mitgerissen werden. Das wirkt dann wie Schmirgelpapier.
  • Brennstofftabletten zum Beheizen. Soweit mir bekannt gibt es nur Tabletten von "Esbit" und "Mamod". Verwenden Sie KEINESFALLS irgend etwas anderes wie Brennpaste, Holzkohle, Grillanzünder, oder was sonst noch. Brennerschale, Kessel und Feuerbüchse der Maschine sind auf Brennstofftabletten ausgelegt. Alles Andere kann zu Schäden führen, eventuell sogar zum "entlöten" der Kesselendstücke und damit zum Platzen des Kessels. Sie wollen nicht dabei sein wenn so etwas passiert. Brennstofftabletten sind gesundheitsschädlich! Waschen Sie ihre Hände nachdem sie die Tabletten angefaßt haben, lagern sie die Tabletten nicht mit Lebensmitteln zusammen, halten sie die Tabletten von Kindern fern, vermeiden Sie das Einatmen der Abgase. Brennstofftabletten können platzen wenn sie alt sind und, oder feucht gelagert werden. Bewahren Sie die Brenstofftabletten unbedingt trocken auf.

     

    Brennstofftabletten von "Esbit" und Mamod"

     

 

  • Trichter zum Einfüllen des destillierten Wassers in den Kessel. Achten Sie darauf nichts daneben zu gießen. Es könnte in die Feuerbüchse laufen und Die Brennstofftabletten benetzen. Sie brennen dann schlechter und entwickeln giftige Gase, sie brennen gar nicht, oder sie platzen vielleicht. Rost durch Feuchtigkeit ist auch ein Thema. In und unter der Feuerbüchse gibt es viele unzugängliche Stellen, die Sie schwer reinigen können. Bewährt haben sich Laborflaschen und Speiseflaschen mit angebrachten Schläuchen zum Füllen. Sind Volumenmarkierungen angebracht ist das umso besser, bei Kesseln ohne Wasserstandsanzeige ist das sogar absolut notwendig.

     

    Bespiel einer Speiseflasche mit Skalierung und Schlauch

     

3. Vor dem Anheizen 

Jetzt geht es los. Bevor man Dampf aufmachen kann sind ein paar Dinge noch zu tun. Die Reihenfolge ist nicht so entscheidend. Wichtig ist nur das es getan wird. Ich persönlich mache es folgendermaßen:

  • Sichtprüfung durchführen. Ein kurzer Blick ob es offensichtliche Beschädigungen gibt, der Kessel Schäden hat, etwas abgebrochen ist, alle Verschlüsse Dichtungen haben. Ein paar Handgriffe ob das Schwungrad sich leicht drehen läßt, Schrauben lose sind, die Dampfleitung(en) fest sind.  Beulen, oder Risse im Kessel bedeuten das man die Maschine NICHT anheizen darf. Beulen können ganz harmlos sein, müssen aber nicht. Kessel werden mindestens auf den doppelten Betriebsdruck geprüft, aber im Laufe der Zeit kann das Material seine Struktur und damit die Festigkeit verändern ("Zinkpest" bei Messing z.B.) und Beulen beeinträchtigen die Festigkeit weiter. Bei Rissen, und seien sie noch so fein, besteht unmittelbare Gefahr das der Kessel unter Druck reißt. NICHT anfeuern also. Was lose ist anziehen, aber mit Gefühl. Nach "fest" kommt "ab". Ohne entsprechede Erfahrung keine Reparturversuche unternehmen. Maschine zum Fachhändler bringen, oder einschicken.
  • Sicherheitsventil prüfen. Es gibt verschiedene Arten von Sicherheitsventilen.
    • Heute gebräuchlich sind Federsicherheitsventile. Das Ventil herausschrauben und prüfen ob es gängig ist. Das bedeutet ob sich der Federstift leicht eindrücken läßt. Geht das nicht, oder ist die Feder stark korrodiert, NICHT anheizen, neues Sicherheitsventil besorgen. AUF KEINEN FALL ÖLEN! Öl im Kessel emulgiert und schäumt auf. Es mindert die Leistung und bildet Rückstände, die die Maschine beschädigen. Der Kessel kann "überkochen". 

       

         

      Federsicherheitsventil in "Ruhe"

       

      Federsicherheitsventil "Offen"

       

    • An älteren Maschinen findet sich oft ein Hebel mit einem Gewicht. Der Hebelarm hat manchmal mehrere Einkerbungen für verschiedene Betriebsdrücke. Den Hebel Anheben zur Prüfung. Das sollte leicht gehen. Geht das nicht, oder nur schwergängig, Maschine NICHT anheizen. Nur die passenden Gewichte verwenden. Ein paar Gramm mehr bedeuten bei dem Hebelarm einen möglicherweise bedenklich höheren Abblasedruck des Ventils. Ohne passendes Gewicht NICHT anheizen.

  • Wasser einfüllen. Einfüllhöhe bis zur Markierung, oder bis ¾ des Schauglases von Wasser bedekt sind. Bei Maschinen mit einer Wasserstansschraube an einer Kesselseite bis das Wasser dort herausläuft. Bei Kesseln ohne jegliche Wasserstandsanzeige Füllmenge  ¾ des Kesselvolumens abmessen und einfüllen. NIEMALS mehr Wasser in den Kessel füllen. Der Dampf hat keinen Raum, um sich zu entwickeln. Es wird Wasser in den Zylinder mitgerissen und die Maschine läuft nicht. Bei schiebergesteuerten Zylindern kann es zu Dampfschlag kommen, der die Steuerung und, oder den Zylinder beschädigen kann. Mann kann vorgewärmtes Wasser verwenden, um die Laufzeit der Maschine zu erhöhen. Tauchsieder, Wasserkocher, oder Topf und Küchenherd machen das möglich. Ich mache das eigentlich nie.

  • Zylinder ölen. Bentuzen Sie dazu Dampföl. Die Gründe habe ich oben schon angeführt. Es gibt zwei Arten von Dampfzylindern (einfach gesprochen). Oszylierende Zylinder und schiebergesteuerte Zylinder. Bei beiden gibt es eine leicht unterschiedliche Vorgehensweise.

    • Oszillierende (schwingende) Zylinder erkennt man daran das sie nur die Pleuelstange zur Antriebsachse besitzen und sich beim Betrieb um eine, meist gefederte,  Mittelachse drehen. Man hebt zum Ölen den Zylinder leicht von seinem Sitz und gibt einen Tropfen Dampföl in den Spalt. Einen Tropfen Dampföl auch an die offene Seite des Zylinders geben (da wo die Pleuelstange zur Antriebsachse ist) und das Schwungrad ein paar mal drehen. 

       

      Oszyllierender Zylinder mit Befestigingsschraube und Druckfeder

      abgehoben zum ölen.

       

    •  Schiebergesteuerte Zylinder erkennt man daran das sie eine Pleuelstange UND eine Steuerstange pro Zylinder besitzen. Am Zylinder sitzt noch ein Schieberkasten. Solche Zylinder werden in der Regel mit einem Dampfstrahlöler bestückt, der direkt am Schieberkasten, oder in der Dampfleitung sitzen kann. Der Dampftrahlöler ist ein kleines "Töpfchen" mit einer Verschlußschraube. Zum Ölen die Schraube abschrauben und Dampföl einfüllen bis das Töpfchen ca. ¾ voll ist. Zuschrauben und das Schwungrad ein paar mal drehen.

       

      schiebergesteuerter Zylinder mit Dampfstrahlöler auf dem Schieberkasten

       

  • Lager ölen. Alle Lager mit Nähmaschinenöl ölen, um Verschleiß, das sogenannte "Fressen" zu vermeiden. Lager können Kugel-, oder Wälzlager sein. bei Hobbydampfmaschinen sind Wälzlager üblich. Meist sind es einfache Löcher, durch die eine Welle führt, oder Gelenke mit Stiften. Nach dem Ölen das Schwungrad ein paar mal drehen.
  • Alle Schraubverschlüsse kontrollieren und mit der Hand anziehen. Wassereinfüllschrauben, Sicherheitsventile, Ölerdeckel, Wasserstandsschrauben. Alles was während der Vorbereitung ausgeschraubt wurde noch einmal kontrollieren und gegebenenfalls anziehen. Dabei ist es wichtig das mit der Hand zu machen. Werkzeug übt zu große Kraft auf die Gewinde aus. Solange es das Gewinde des Verschlußes ist, ist das noch erträglich. Der ist leicht (bei neuen Maschinen) zu ersetzen. Hat es aber das Gewinde im Kessel, oder im Öler selber ruiniert, dann muß der Fachmann ran, weil da gelötet werden muß und beim Kessel eine erneute Druckprüfung erforderlich ist. Auch beim Anziehen von Hand mit Gefühl vorgehen frei nach dem bekannten Spruch: "Gewaltig ist des Schlossers Kraft wenn er mit dem Werkzeug schafft." Sollte eine Schraube sich nicht anziehen lassen ("ewiges Gewinde") NICHT anheizen. Dann ist das Gewinde hinüber und eine Reparatur fällig, oder der Ersatz der Schraube, oder des Gewindes. Vor "hausgemachten" Reparaturversuchen an Kesseln sind strikt die Finger zu lassen ohne entsprechende Erfahrung (jemand, der Klempner, Heitungsbauer, oder Kesselbauer gelernt hat kann das natürlich).

 

4. Anheizen

Das Schlimmste ist jetzt vorbei. Jetzt kommt der Spaß. Zuerst das Anheizen und auf Betriebsdruck bringen.

  • Zum Anheizen legt man die vom Hersteller angegebene Anzahl von Brennstofftabletten in die Brennstoffschale und zündet sie an. Dazu eignen sich Kaminstreichhölzer, oder gasbetriebene Grillanzünder besonders gut. Man kann es natürlich auch mit normalen Streichhölzern, oder einem Feuerzeug machen, sollte dann aber nicht empfindlich sein wenn man sich die "Pfoten" verbrennt. NIEMALS mehr Brennstofftabletten verwenden als der Hersteller vorgibt. Die entstehende Hitze könnte größer sein als gut ist für die Maschine. Die Brenndauer könnte länger werden und das Wasser im Kessel nicht ausreichen.
  • Warten bis der Betriebsdruck erreicht ist. Wie erkennt man das?
    • Hat man ein Manometer an der Maschine ist es einfach. In der Regel ist der Betriebsdruck als roter Strich auf der Skala markiert. Ist das nicht so kann man den Wert der Bedienungsanleitung entnehmen. Der Betriebsdruck von Hobbydampfmaschinen liegt meistens zwischen 1,5 und 2bar. Nun gibt es aber auch englische und amerikanische und australische Maschinen, oder auch sehr alte Maschinen, deren Manometerskala nicht in bar geeicht ist. Was jetzt? Ist die Angabe in "atü" ist alles soweit in Ordnung. "atü" und "bar" sind für unsere Ansprüche praktisch gleich (kg/cm²). "psi" ist allerdings etwas anderes (pound/square inch). Keine Panik. 1bar ≈ 15psi.

       

      Manometer in "psi" an einer Mamod SP6

       

    • Hat man kein Manometer wartet man einfach bis das Sicherheitsventil abbläst.
    • Wenn das Wasser im Kessel deutlich sichtbar quallert ist es fast soweit.
    • Wenn die Dampfpfeife nicht nur Wasser spuckt, sondern einen kräftigen Ton von sich gibt ist es soweit.

 

  • Anheizen überwachen. Man achtet dabei besonders auf Leckagen. Das Meiste ist "normal". In einigen Fällen sollte man jedoch das Anheizen abbrechen. Was ist "normal"? Normal sind kleine Wasser-, oder Dampfaustritte an den Dichtungen von Dampfpfeife, Manometer, Sicherheitsventil und Zylinder. Die Betonung liegt auf klein. Man sollte das im Auge behalten. Oft liegt es an trockenen Dichtungen. Sobald diese etwas feucht werden und aufquellen behebt sich das Problem von alleine. Sollte das nicht so sein kann man nach dem Betrieb die Dichtung wechseln. Kein Grund zur Panik! Unschöner ist Dampfaustritt an Wasserstandsgläsern und Ölern. Stellt sich das nicht von selbst ab während dem Betrieb, dann ist auch hier die Dichtung zu wechseln. Je nach Hersteller  kann das bedeuten das die Maschine in die Hände eines Fachmannes muß. Noch unschöner ist es wenn Lötstellen an Dampfleitungen undicht sind. Noch kein Grund nervös zu werden, aber die Maschine muß zur Reparatur. Fatal ist es wenn an den verlöteten Kasselnähten, im Kessel eingelöteten Gewindebuchsen, oder gar aus nicht enteckten Rissen am Kessel Wasser und, oder Dampf austritt. Sofort die Brennerschale herausnehmen und auf eine feuerfeste Unterlage stellen. NICHT weiter anheizen! Der Kessel könnte platzen und der Inhalt könnte sich schlagartig in Dampf verwandeln, Spritzer kochenden Wasser könnten Sie verbrühen, Teile des Kessels könnten Sie verletzen. Ich denke Sie wissen was ich meine. Der Kessel einer Hobbydampfmaschine ist keine Bombe, aber so ein "kleines Mißgeschick" kann Ihnen, oder jemand Anders das Leben versauen. Das Feuer in der Brennerschale möglichst nicht ausblasen, oder löschen, unter Aufsicht abbrennen lassen auf der feuerfesten Unterlage. Sonst entstehen giftige Gase und da die Brennstofftabletten sich verflüssigen beim Abbrennen klebt der erkaltete Kram in der Brennerschale und ist kaum zu entfernen. Nochmaliges Entzünden ist der einzige Weg. Der entstehende Geruch wird Ihnen zeigen, dass das nicht besonders gesund ist was da ausdampft.

 

 

5.Betrieb 

Wenn der Betriebsdruck erreicht ist kann die Dampfmaschine "angeworfen" werden. Nach all der Vorbereitung haben Sie sich das auch redlich verdient.

  • Vor dem Anwerfen sollte man den, oder die Zylinder etwas anwärmen. Das geht nur wen ein Dampfabsperrventil vorhanden ist. Das Ventil ganz leicht aufdrehen. An dem, oder den Zylindern tritt etwas Wasser und Dampf aus. Etwa 20 bis 30 Sekunden warten. Bei Maschinen ohne Dampfabsperrventil kann das Austrteten von Wasser und Dampf schon beim Anheizen beobachtet werden. Das ist normal. Man braucht dann auch nicht vorzuwärmen. Man wärmt vor allem bei schiebergesteuerten Maschinen vor, um zu verhindern das der Dampf im Zylinder kondensiert und es zu "Dampfschlag" kommt. An sich ist "Dampfschlag" bei Hobbymaschinen kein wirkliches Problem. Bei teureren (größeren) Maschinen, die dann schon eher im Modellbereich liegen (Stuart, Regner, Maxitrak z.B.), oder bei Echtdampflokomotiven sieht das ein wenig anders aus. Wie dem auch sei. Es hilft den Verschleiß zu verringern und die Maschine lange zu erhalten. 
  • Das Anwerfen der Maschine erfolgt durch einen Schwung am Schwungrad. Bevor man das tut muss man das Dampfabsperrventil, falls so etwas vorhanden ist aufdrehen. Manche Maschinen laufen nur in eine Richtung, oder besitzen einen Umsteuerhebel. Bitte in der Bedienungsanleitung des Herstellers vorher kundig machen. Zwei- und Mehrzylindermaschinen und Dampfturbinen laufen selbst an sobald das Dampfabsperrventil aufgedreht wird, dann aber nur in eine Richtung, sollte keine Umsteuerung vorhanden sein. Selten benötigen diese Maschinen einen Anstoß.
  • Langsam Anlaufen lassen. Normalerweise benötigt eine Dampfmaschine etwas Zeit, um auf Drehzahl zu kommen.Die Zylinder müssen sich ordentlich erwärmen, Kondensat muß ausgestoßen werden, die Flächen mit Öl benetzt werden. Geben Sie der Maschine etwas Zeit, um sich einzulaufen bevor sie "Volldampf" geben, oder Sie unter der Last von Generatoren und Antriebsmodellen "zum Schwitzen" bringen.Es empfiehlt sich nagelneue Maschinen erst einlaufen zu lassen bevor man sie unter Last nimmt. Je größer, komplexer und teurer die Maschine ist, desto zutreffender ist das. Zwischen zwei und zehn Mal ohne Last laufen lassen, je nach Maschine, ist normal. Sie werden sehen wie nach jedem Anheizen die Maschine besser läuft bis sie eingelaufen ist.
  • Jetzt können Sie die Maschine nach herzenslust laufen lassen, Antriebsmodelle anschließen, Belastungsgrenzen ausloten, die Dampfpfeife bedienen, einen Jahrmarkt betreiben, oder mit einem Generator Ihrem Stromversorger Konkurenz machen, schlicht einfach Spaß haben. Eines sollten Sie aber nicht vergessen und das kommt als nächster Punkt.
  • Den Betrieb der Maschine überwachen ist ein guter Teil des Spaßes. Lassen Sie die Wasserstandsanzeige nicht aus den Augen. Sinkt der Wasserstand unter die Markierung, oder erreicht er den unteren Rand des Schauglases SOFORT die Brennerschale herausnehmen, um Kesselschäden zu vermeiden. Hat Ihre Maschine die Möglichkeit Wasser in den Kessel (z.B. Wilesco D21) nachzuspeisen, dann tun Sie es spätestens jetzt. Normalerweise passiert nichts, da die Heizdauer der Brennstofffüllung auf den Kesselinhalt abgestimmt ist. Deswegen NIE Trockenbrennstoff "nachlegen". Man verschätzt sich leicht was den Restinhalt des Kessels angeht. Da er rund ist, ist oft weit weniger Wasser vorhanden als das Gefühl einem das sagt. Außerdem ist das Wasser nun erhitzt und alle Wärme die nun zugeführt wird produziert sofort Dampf. Selbst wenn man  Wasser nachspeisen kann, sollte man das nicht tun. Die Kapazität der Öler ist auf die Heizzeit ausgelegt und ein trocken laufender Zylinder ist ein Zylinder der bald nicht mehr läuft. 

 

6.Nachbereitung

Nach dem Spaß kommt das Aufräumen. Mir macht das aber auch Spaß. Es gibt Dinge die müssen SOFORT erledigt werden, Anderes kann erst erledigt werden wenn die Maschine abgekühlt ist.

  • Gleich nach Betriebsende sollten Sie folgende Dinge tun:
    • Direkt nach dem Erlöschen des Feuers in der Brennerschale die Schale herausnehmen und auf die feuerfeste Unterlage stellen. Noch flüssige Reste des Festbrennstoffes können sonst die Brennerschale in der Führungsschiene verkleben. Es ist unglaublich schwierig die dann heraus zu bekommen.
    • Lassen sie den Druck NICHT ab. Lassen Sie zu das sich das alles durch abkühlen normalisiert. Wenn sie den Druck im heißen Zustand ablassen, dann kann im Kessel Unterdruck entstehen, der Öl und Schmutz durch die Dampfleitung in den Kessel zieht.
      • Sollten Sie die Möglichkeit haben ein Ventil offen zu lassen (z.B. Kesselablassventil oder Pfeifenventile ohne Rückstellfedern, nicht aber Dampfventile), dann können Sie den Druck auch ablassen. Dann muss das Ventil aber auch offen bleiben, damit kein Unterdruck entstehen kann.
  • Nach Abkühlung sollten Sie Folgendes tun:
    • Entfernen Sie das Wasser aus dem Kessel. Das kann einfach durch umdrehen der Maschine geschehen bis kein Wasser mehr ausläuft, oder, wesentlich eleganter und besser, durch eine große Spritze (500ml) aus der Apotheke, an der ein Schlauch angebracht wird (Aquarienschlauch). Die Maschine schräg stellen und an der tiefsten Stelle absaugen. 
    • Entleeren Sie den Kondensatbehälter, oder die Kondensatschale falls vorhanden.
    • Reinigen Sie die Maschine mit einem weichen Tuch. Küchentücher haben sich da bewährt. Sie können einen Schraubenzieher mit einem Tuch umwickeln, um in schwer erreichbare Ecken zu kommen. Wischen Sie Schmauch- und Rußspuren vom Kessel. Verwenden Sie auch dazu nur ein weiches Tuch und etwas Wasser, kein Reinigungsmittel und schon gar keine Stahlwolle, Schmirgelpapier, Spülschwämme, etc. Es ist durchaus normal das sich an Kesseln und Feuerbüchsen Gebrauchsspuren zeigen.
    • Lassen Sie den Kessel austrocknen, indem Sie die Füllschraube, Wasserstandsschraube, Sicherheitsventil ausgeschraubt lassen. Ideal wäre es wenn Sie eine Auquarienluftpumpe hätten. Den Schlauch in den Kessel legen und die Pumpe ein paar Stunden laufen lassen.
    • Ersetzen Sie Dichtungen, die offensichtlich defekt waren.
    • Ölen Sie alle blanken Teile, den Kessel ausgenommen natürlich, ganz leicht ein mit "Nähmaschinenöl".

7.Schluß

Ich habe mich bemüht alles so genau wie möglich zu beschreiben und so wenig wie möglich abzuschweifen. Es gibt mehr als genug Ausnahmen von den Regeln, insbesondere gibt es andere Möglichkeiten Kessel zu beheizen, es gibt abweichende Kesselbauarten, andere Maschinenkonstruktionen, Zusatzgeräte für den Betrieb und vieles mehr. Ich hoffe das für den Betrieb von gängigen Hobbydampfmaschinen das Wesentliche gesagt ist. Vielleicht habe ich etwas übersehen, vergessen, oder mache sogar etwas falsch. Bitte scheuen Sie sich nicht mich das wissen zu lassen.

Vielleicht schreckt die Beschreibung ab mit ihren "Falls" und "Wenns und Abers" was alles passieren kann. Es passiert nichts. Nicht wenn man der Bedienungsanleitung der Herteller folgt und die Beschreibung hier im Hinterkopf behält, nicht wenn man eine neue Maschine kauft und jene gut pflegt.

Das Problem sind die vielen gebrauchten Maschinen, die angeboten werden im Internet und auf Flohmärkten. Wer kann schon sagen ob der Vorbesitzer pfleglich damit umgegangen ist? Wer kann sagen ob eine optisch schöne Maschine unter der Farbe nicht ein paar Fallen verbirgt? Wer weis ob ein Verkäufer das Fachwissen, oder sogar den Willen hat Mängel zu erkennen und dem Käufer mitzuteilen? Es gibt überall schwarze Schafe.

Dem Anfänger sei geraten seine erste Maschine neu und im Fachhandel zu erwerben und damit erste Erfahrungen zu sammeln und Sicherheit im Umgang zu gewinnen. Vielleicht sollte sogar die zweite Maschine auch noch neu und aus dem Fachhandel sein. Die Erste vielleicht eher eine einfache Maschine ohne viel Firlefanz, die Nächste dann schon komplexer. Neue Maschinen sind sicher teuerer als ein "Schnäppchen bei Ebay", bieten aber mehr Sicherheit und vor allem die Zeit an einer sicher funktionierenden Maschine Erfahrungen zu machen. Beginnen mit einer Stuart Tripple mit entsprechendem Kessel und Armaturen, Dampfspeisepumpe, Gasfeuerung, Speisewasservorwärmer, Verdrängungsöler und was weis ich noch, ist wahrscheinlich nicht der richtige Weg. 

Es gibt Foren zum Thema Dampf und es gibt Internetseiten von Sammlern und Liebhabern als Informationsquelle und Anlaufstelle bei Fragen. Die meisten Leute in den Foren und die meisten Sammler und Liebhaber sind gerne bereit Fragen zu beantworten und zu helfen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  •  

 

Klaus Lutz | Roler0301@aol.com